Die Mehrfachbelastung Betroffener

GENERELLE TRAUMAFOLGEN

Wie jeder traumatisierte Mensch leiden Betroffene an den Folgen dieser Erfahrungen:

  • körperlichen Symptomen des Traumas
  • psychischen Auswirkungen des Traumas
  • Auswirkungen auf die Lebensgestaltung, Arbeitsfähigkeit etc.

REAKTIONEN DES UMFELDES NACH OUTING

Anders als  Personen mit anderen Traumata  (Naturkatastrophen, Unfälle etc.) sind sie jedoch zusätzlich häufig mit problematischen Reaktionen ihres Umfeldes konfrontiert, wenn sie ihre Erfahrungen mitteilen:

  • Leugnung
  • Ignoranz
  • Bagatellisierung
  • Abwertung
  • Stigmatisierung
  • Ausgrenzung
  • Schuldzuweisung
  • Verdrehung der Täter-Opfer-Rolle
  • Unterstützung und Schutz für Täter*innen statt Opferschutz
  • Fehlen von Empathie
  • Kontaktabbruch

WENN SIE HILFE SUCHEN, TREFFEN SIE HÄUFIG AUF

  • unzureichende Auffangstrukturen
  • Unsicherheiten, persönliche Befangenheit und unvollständiges Fachwissen seitens professionell Helfenden
  • belastende Fragen und Umstände bei Polizei ggf. Gericht
  • rigide, bürokratische Strukturen, die Hilfen erschweren
  • belastende körperliche Untersuchungen zur Beweisführung
  • Unterstellungen, sich falsch verhalten zu haben

Belastungen bei innerfamiliärer sexualisierter Gewalt

Bei innerfamilärer sexualisierter Gewalt an Kindern  kommen u.a. folgende Faktoren hinzu:

  • Geheimhaltung der Tat
  • Drohungen gegen das Kind
  • Wenn Verhaltensstörungen entstehen, Abwertung des Kindes
  • Wenn die Tat ans Licht kommt, Leugnung
  • Wegschauen nicht betroffener Familienmitglieder
  • Häufig muss das betroffene Kind die Familie verlassen, nicht die Täterperson
  • Angst des Kindes, die Familie zu „sprengen“
  • Abwehrmechanismen der Familie
  • Langzeitbelastung, Gefahr der Chronifizierung der Folgesymptomatik

Wenn die Gewalt erst im Erwachsenenalter geoutet wird, erleben Betroffene häufig:

  • Toxische Familiendynamik rund um das Gewaltgeschehen *
    • Koalitionen
    • fehlende Unterstützung
    • Feindschaften
    • Ausgrenzung
    • Negierung
    • Tabuisierung des Themas
    • Betroffene werden zu Sündenböcken oder Nestbeschmutzern  abgestempelt und entsprechend dieser Rollen behandelt
  • Schwächung oder Verlust familiärer Beziehungen auf Grund zerstörten Vertrauens
  • Erschüttertes Grundvertrauen
  • Dysfunktionale Beziehungsmuster als Langzeitfolge
  • Häufige Folge: Soziale Isolation
  • Erhöhte Vulnerabilität für psychische , somatische und somatoforme oder Verhaltensstörungen, Suchtgefahr
  • Minderung der Resilienz
  • Gefahr erhöhter Suizidalität